| Veranstaltung: | Kreismitgliederversammlung 02.11.2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 4 Änderungsanträge Landtagswahlprogramm |
| Antragsteller*in: | AK Bildung (dort beschlossen am: 22.10.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 25.10.2026, 12:54 |
ÄA-08: Verringerung struktureller Bildungsungleichheit – Priorisierung der inklusiven Gesamtschule
Antragstext
Der Kreisverband Köln reicht folgenden Änderungsantrag zum Landtagswahlprogramm
für die Landesdelegiertenkonferenz vom 13. bis 15.11.2026 ein:
WP-03 "Ein Land der Chancen" wird in Zeile 275ff. in folgende Formulierung
verändert:
Wir wollen das Schulsystem langfristig zu einem inklusiven Bildungssystem des
längeren gemeinsamen Lernens weiterentwickeln. Die inklusive Gesamtschule
stärken wir dabei als bevorzugtes Leitmodell und wollen sie bei der Neugründung
und Weiterentwicklung von Schulen prioritär berücksichtigen. Bestehende weitere
Schulformen beziehen wir in einen schrittweisen und bedarfsgerechten Wandel ein.
Zugleich verbessern wir die Durchlässigkeit zwischen allen Bildungswegen.
Begründung
Die inklusive Gesamtschule bietet die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche unterschiedlicher sozialer Herkunft, Leistungsfähigkeit und individueller Voraussetzungen länger gemeinsam zu unterrichten, ohne sie frühzeitig auf unterschiedliche Schulformen und Bildungsgänge aufzuteilen. Ihre langfristige Stärkung als bevorzugte Schulform kann damit einen wichtigen Beitrag zur VerringerungstrukturellerBildungsungleichheit leisten.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die frühe Aufteilung von Schüler*innen auf unterschiedliche Schulformen soziale Bildungsungleichheiten verstärken kann, ohne dass damit ein nachweisbarer Vorteil für das durchschnittliche Leistungsniveau verbunden ist (Terrin & Triventi, 2023; Werfhorst & Mijs, 2010).
Zudem können Schulformempfehlungen selbst bei vergleichbaren Leistungen durch die soziale Herkunft beeinflusst werden. Frühzeitige Selektion hat daher die Gefahr, bestehende soziale Ungleichheiten weiter zu verfestigen (Batruch et al., 2023).
Untersuchungen deutscher Schulstrukturreformen bestätigen das Potenzial längeren gemeinsamen Lernens. Die frühere Trennung von Haupt- und Realschüler*innen in Bayern führte zu Leistungsnachteilen. Umgekehrt zeigte die Zusammenführung unterschiedlicher Bildungsgänge in mehreren Bundesländern positive Auswirkungen auf die Leseleistungen, insbesondere bei sozial benachteiligten Schüler*innen (Piopiunik, 2014, 2021).
Auch erfolgreiche Bildungssysteme wie das in Estland zeigen, dass längeres gemeinsames Lernen mit hohen fachlichen Leistungen vereinbar ist.
Daher ist die langfristige Priorisierung der inklusiven Gesamtschule ein begründeter Schritt, um die frühe Selektion zu verringern und allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Voraussetzung dafür sind eine hochwertige individuelle Förderung, verbindliche Bildungsstandards und eine bedarfsgerechte Ausstattung der Schulen.
Quellen:
Terrin, É., & Triventi, M. (2023). The Effect of School Tracking on Student Achievement and Inequality: A Meta-Analysis. Review of Educational Research, 93(2), 236–274.
Werfhorst, H. G., and Mijs, J. J. (2010). Achievement inequality and the institutional structure of educational systems: A comparative perspective. Annual Review of Sociology, 36, 407–428.
Batruch, A., Geven, S., Kessenich, E., & van de Werfhorst, H. G. (2023). Are tracking recommendations biased? A review of teachers’ role in the creation of inequalities in tracking decisions. Teaching and Teacher Education, 123, 103985.
Piopiunik, M. (2014). The effects of early tracking on student performance: Evidence from a school reform in Bavaria. Economics of Education Review, 42, 12–33.
Piopiunik, M. (2021). How does reducing the intensity of tracking affect student achievement? Evidence from German state reforms (CESifo Working Paper No. 9214). CESifo.
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